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Open to Grace: Die Schönheit des Lebens erfahren

Wann hast du das letzte Mal gedacht, dein Leben könnte besser sein? Hast den Nachbar um das wunderschöne Haus mit Garten beneidet oder die Kollegin um die Beförderung und das höhere Gehalt, das sie jetzt sicher bekommt. Sogar beim Yoga kommt der Gedanke, dass es andere besser haben, wenn die Mattennachbarin sich in der Vorbeuge wie ein Schweizer Taschenmesser zusammenklappt und du selbst noch nicht mal an deine Füße kommst. Wenn sich unser Leben schwer anfühlt, schauen wir gerne zu anderen, denen es vermeintlich besser geht. Das macht unser Leben aber nicht einfacher. Open to Grace – das erste Prinzip des Anusara Yoga – ist ein philosophisches Konzept, das uns helfen kann, mehr in den Fluss des Lebens zu kommen.

Das Leben ist nicht perfekt
Kein Mensch führt ein  perfektes, glückliches Leben, wie Hollywood es gerne kundtut. Polarität ist ein unabdingbares Prinzip des Universums. Gegensätze wie Tag und Nacht, gut und schlecht, glücklich und unglücklich bedingen sich einander. Eine Sache ist immer positiv oder negativ in Bezug auf eine andere. Dinge sind entweder im Gleichgewicht oder im Ungleichgewicht. Deshalb geht es im Konzept der Dualität um die Beziehung zwischen diesen gegensätzlichen Kräften. Wahre Harmonie entsteht in der Balance zwischen den gegensätzlichen Polen.

Anstatt uns an dem zu erfreuen, was wir haben, vermiesen wir uns die Stimmung mit der fixen Idee, dass andere Menschen ein schöneres Leben haben. Wir träumen davon, dass es uns eines Tages vielleicht auch einmal so gut gehen wird. Dabei ist es ein Irrglaube zu denken, andere führten ein glücklicheres Leben. Der Nachbar mit dem großen Haus schläft nachts schlecht vor Sorgen über den hohen Bankkredit. Die beförderte Kollegin fühlt sich gestresst von den hohen Anforderungen und vielen Überstunden, die ihre neue Position fordern. Und die agile Yogini aus dem Mittwochskurs beherrscht mit Sicherheit nicht alle Asanas so meisterhaft. Es ist nicht nur unmöglich zu wissen, wie zufrieden andere Menschen sind, es ist auch Zeitverschwendung, sich darüber Gedanken zu  machen. Sinnvoller wäre anzunehmen, was das Leben dir bietet und dich daran zu erfreuen. Denn egal, was das Leben für dich parat hält  – Schönheit, Reichtum, Erfolg – es macht dich nur glücklich, wenn du es wertschätzen und genießen kannst. Was zählt ist, dass du dir am Ende des Tages sagen kannst: heute war ein schöner erfüllter Tag.
 
Die Leichtigkeit des Lebens erfahren
Das erste Ausrichtungsprinzip des Anusara Yoga „Open to Grace“ ist die Aufforderung, sich dem Leben zu öffnen mit all seinen guten und schlechten Seiten. Ein Gefühl von Mühsal in deinem Leben ist wie das rote Warnlämpchen im Auto: der Hinweis, dass etwas nicht stimmt. Mit Hilfe der Asanapraxis machen  wir unseren Körper so durchlässig, dass wir das Fließen und Pulsieren der Lebensenergie Prana in uns spüren können. So machen wir mit unserem Körper die Einheits-Erfahrung, Teil des großen Ganzen zu sein. Und wir erkennen, das wirklich alles in diesem Universum seine Daseinberechtigung hat - sowohl die guten als auch die vermeintlich negativen Seiten des Lebens. Sieh schwierigen Zeiten als die Möglichkeit, deine Fähigkeit zu stärken, die Dinge anzunehmen wie sie sind. 

Sind wir nicht gut im Lot unseres Gleichgewichts ausgerichtet, wirkt die Schwerkraft auf uns und wir fühlen uns träge. Wenn die Gelenke mit Hilfe von Spiraldynamik gemäß der funktionellen Anatomie richtig übereinander gestapelt sind, hält unser Skelett uns mit einem minimalen Kraftaufwand aufrecht. So ausgerichtet im Ruhe-Gleichgewicht, wird das Gewicht des Körpers über Becken, Beine und Füße in den Boden geleitet, was uns einen Auftrieb nach oben gibt. Wir können unsere Muskuläre Hülle loslassen. Gleichzeitig haben wir ein Gefühl von innerer Stärke und Leichtigkeit, denn wir richten uns mit der Schwerkraft auf, ohne dagegen anzukämpfen. Das Skelett trägt sich von alleine mit einem Minimum an muskulärer Haltearbeit. Der Vater des Yoga Patanjali schreibt im Traditionstext Yoga Sutra, dass eine Stellung stabil und angenehm zugleich sein soll (sthira-sukham-asanam, Yoga Sutra 2.46), dann ist das Wohlbefinden am größten und der Geist weilt in meditativer Konzentration (YS 2.47).

Ein Gefühl von Leichtigkeit und Durchlässigkeit im Körper überträgt sich auf unseren Gemütszustand. Wir nehmen den Wechsel zwischen guten und schlechten Zeiten gelassener an. (Yoga Sutra 2.48: Gute Körperhaltung schenkt Widerstandsfähigkeit). Wir werden empfänglich für die Schönheit des Lebens. Wir fließen mit dem Leben, statt dagegen anzukämpfen. Dieses Gefühl wird im Yoga auch Samadhi genannt. Es ist die Bewusstseinserfahrung (Shiva), an dem dynamischen Schöpfungsprozess des Lebens (Shakti) teilzuhaben und ihn durch das eigene Da-Sein auszudrücken. Wir erkennen, dass die Kräfte, die das Universum geformt haben, auch uns geformt haben und ununterbrochen in uns wirken. So ermöglicht uns die Yogapraxis die tiefste Erfahrung des Lebens: die Seligkeit der Bewusstheit des eigenen Seins in Sanskrit „sat-chit-ananda“ genannt.
 
So erfährst du Open to Grace in deinem Körper: Nimm eine stabile Haltung ein. Werde mit der Einatmung weiter im Brustkorb und länger in der Wirbelsäule (Körperseiten lang), um mental empfänglicher für all die Möglichkeiten zu sein, die dir das Leben bietet. Mit der Ausatmung werde weicher im Herzen, Gesicht und Blick. Mit jedem bewussten Atemzug kommst du mehr und mehr in den Fluss des Lebens. Das macht dich nachsichtiger mit dir selbst und anderen. Du kannst das Leben annehmen, wie es ist.
 
„Auf der Waagschale des Lebens auch
die kleinen Freuden sammeln und anhäufen,
ihre Fülle bestaunen, anstatt Mängel zu beklagen.
Dem Alltäglichen Wunderbares abgewinnen,
mit neuem Blick wertschätzen,
was ganz selbstverständlich immer schon da war
und es als besonderes Geschenk betrachten.
Den Pulsschlag der Zeit wahrnehmen,
schönen Dingen nachspüren,
die Seele pflegen, den Geist und den Körper.
Dankbar all die Kleinigkeiten genießen,
die zur Summe deines Lebens beitragen
und ohne die du so viel ärmer wärst.“ (Angelika Wolff)
 
Yoga Sutra Zitate aus "Das Yogasutra" von R. Sriram.
 
(Claudia Dahnelt - Lotusblume Yoga & Ayurveda, Frankfurt, Apris 2017)

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